Vom Vorortclub zum Trümmerhaufen

Gregor 9. März 2009

Am Mittwoch den 4.März fand neben der wichtigen Ratssitzung über den Stadion-Neubau auch eine sehr interessante Veranstaltung in der Alten Cuesterey in Essen-Borbeck statt. Der Kultur-Historische Verein Borbeck veranstaltet mit dem Stadtarchiv Essen eine Ausstellung über die Anfänge von Rot-Weiss Essen. Im Zuge dessen hielt der Sporthistoriker Prof. Dr. Andreas Luh (Ruhr-Universität Bochum) einen Vortrag über das “System Melches”. Es ging um den Aufstieg des kleinen Vorortclubs “SV Vogelheim” zum international renommierten Verein “Rot-Weiss Essen” in den 50er Jahren. Die Familie Melches, insbesondere Georg, haben durch ihr Engagement den Erfolg unseres Vereins in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts möglich gemacht.

Zu Zeiten, in denen im Essener Norden noch Zechen das Stadtbild prägten, war die Entwicklung des Vereins eng mit der hiesigen Industrie verbunden. Prof. Dr. Luh machte deutlich, dass Georg Melches den Fußballverein durch geschickte wirtschaftliche Kontakte zu der Zeche Emil Emscher bzw. der Altenessener Bergwerk AG Rot-Weiss Essenin der Oberliga West zu einer festen Größe machen konnte. Zwar gab es zu dieser Zeit noch nicht das klassische Sponsoring, aber da Melches in den “Didier Werken” zum Vorstand gehörte, wurden stets Material und Arbeiter für den Stadionbau mobilisiert. Die Arbeiter der Zeche Emil Emscher wurden sogar zum Putzen der Fußballschuhe abgestellt. Dieses ausgeklügelte “System Melches” machte den Spielbetrieb auch in Zeiten des Krieges möglich. So hatte er beste Kontakte zur Wehrmacht und ließ für wichtige Ligaspiele die Kicker von der Front in den Heimaturlaub schicken.

Interessant ist der Fakt, dass die RAG 1969 unter anderem aus der Altenessener Bergwerk AG entstand. Aus diesen Wurzeln setzt sich heute der bekannte Mischkonzern EVONIK zusammen. Schon früh waren große industrielle Unternehmen mit RWE verbunden und unterstützten den Verein. Diese Tradition gilt auch für die Essener Stadtwerke, die günstige Kredite und Grundstückspreise vergaben.

Es ist nicht weit hergeholt, wenn man das System Melches mit heute vergleicht. Auch heute sponsern die Alu-Hütten unsere Jugend und die RWE AG ist einer unserer letzten großen Partner. Wo bleibt die Unterstützung von der RAG -> Evonik? Die Geschichte hat den Verein RWE und die Industrie fest miteinander verwurzelt, sind zusammen groß geworden, haben sich gegenseitig viel zu verdanken. Schließlich war ein Fußballverein der soziale Dreh- und Angelpunkt vieler Arbeiter, die in der Kohle- und Stahlindustrie tätig waren. Grade in der harten Zeit während und nach dem Krieg.

Unternehmen wie Evonik, denen wir jetzt den schwarzen Peter zuschieben, weil sie die versprochenen 8 Millionen Euro dem Projekt Stadion nicht zukommen lassen wollen, obliegt weiterhin einer großen Verantwortung gegenüber der Region, die sie reich gemacht hat.

Wir brauchen wieder ein “System”, welches das Umfeld zusammenhält und die Wirtschaftskraft Essens nutzt, um sportlichen Erfolg zu erreichen. Wird es ein “System Strunz” oder “System Hülsmann” geben?

Ich möchte euch die liebevolle Ausstellung in der “Alten Cuesterey” empfehlen. Für RWE-Nostalgiker sind besonders die Veranstaltungen zu besuchen. Sie werden von Historikern und Fans liebevoll organisiert und bringen interessante Details aus der Vergangenheit unseres Vereins. In Hinblick auf den geplanten Bau des Stadions ist der Termin am 18.3.  “Stadionfragen in Essen – ein Jahrhundertprojekt” reizvoll. Kann man die Fehler, die in der Geschichte gemacht wurden vermeiden daraus lernen?

Termine:

  • So., 15.3., 15.00 UhrGesprächsrunde mit aktuellen und ehemaligen
    RWE-Spielern.

    Angekündigt haben sich u.a. Werner Kik, Ente Lippens und Dirk Helmig

  • Mi., 18.3., 19.00 UhrStadionfragen in Essen – ein JahrhundertprojektVortrag
    Georg Schrepper (Kultur-Historischer Verein Borbeck)
  • So., 22.3., 15.00 UhrAusstellungsfinissage
    Rot-Weiße Filmdokumente von der Deutschen
    Meisterschaft 1955 aus der Stadtbildstelle Essen
    Moderation

    Georg Schrepper (Kultur-Historischer Verein Borbeck)
    Uwe Wick (Willibald Gebhardt Institut)

RWE in der Alten Cuesterey

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