Kultur

Hackfleischgewordene Moderne

7. Juni 2010

Thomas Gsella (Tom Hintner; wikipedia)

Thomas Gsella, Satiriker und Mitglied der „Titanic Boy Group“ scheint keine schöne Kindheit gehabt zu haben. Welch grausame Erlebnisse müssen diesen mittlerweile greisen Schriftsteller in Essen widerfahren sein, dass er immer zu über seine Heimatstadt lästern muss.

In der taz wundert sich Gsella in einem herrlichen Artikel über das, was der interessierte Kultur-Tourist denkt: Wieso ist Essen eigentlich Kulturhauptstadt?

Die Menschen in Europa müssen sich nun nämlich täglich fragen, warum mit der vom Raubzug der Kohleindustrie misshandelten westdeutschen Großstadt Essen und deren gleichverwüsteten Nachbarn Duisburg, Bochum, Dortmund und so fort das gesamte Ruhrgebiet (werbedeutsch: Revier) zu ihrer aller Kulturhauptstadt befördert wurde. Ja, warum?

Zugegeben, es ist amüsant. Fast täglich lesen wir diese grässlich aus Reiseprospekten abgeschriebenen Artikel in den überregionalen Zeitungen über die „ruhr 2010“. Gsella legt den Finger in die Wunden des Ruhrmenschen, der grade erst seinen Stolz für die Region entdeckt hat. Sagt er das, was viele Besucher der Kulturhauptstadt denken? Oder treibt ihn ein unbändiger Hass gegenüber seiner eigentlichen Heimat? Er verleumdet seine wirkliche schäbige Malocher-Herkunft und treibt sich in der unterfränkischen Provinz um Aschaffenburg herum. Von diesem verschlafenen Nest aus, lässt es sich wunderbar auf die aufstrebende Region verbal einprügeln.

Und keine Stadt ist wohl in Europa, welche die Epochen kontinentaler Architektur gleichmutig ignoriert. Nicht Prunktürme je temporärer Gewinnler, sondern das betont grundehrliche Scheiß- als flächendeckendes Wohnhaus prägt das Stadtbild. Stolz schmiegt sich Brutalität der Frühindustrialisierung an Grausamkeit des Nachkriegs, Ekles der Betonjahre an die Beulen der Sanierungspest, Freches an Dummes, und wenn Moderne steht wie für den Verlust von Tünche, Tand und Schmuck, ist Essen in der Tat hackfleischgewordene Moderne.

Ganz schön gemein.

Aber anstatt beleidigt zu sein lassen wir noch ein lyrisches Meisterwerk über uns ergehen. Erschienen ist es Anfang des Jahres im Zuge seiner Kolumne auf der Homepage des „Satiremagazins Titanic“:

Gsella am Donnerstag

Kulturhauptstadt Ruhrgebiet (1)
ESSEN

Man zieht nicht hin. Man wird dorthin gebracht
Nach einem letzten Urteil ohne Milde.
Man bringt in diese höllischen Gefilde
Nur schlimmste Mörder in verfluchter Nacht.

Sie sind in Ketten, dutzendstark bewacht,
Und führen gleichwohl Schreckliches im Schilde.
Und Wachmannschaften wähnen sich im Bilde
Und werden mannschaftsweise umgebracht.

Denn alles Menschsein hat sich längst vergessen
An diesem Ort, den jeder Mörder kennt.
„Die Sträflingsstadt“. Wer will das Leid ermessen.

Hautkranke Ratten werden roh gegessen.
So jubelt grad der schlimmste Delinquent
Bei diesem Urteil: „Zwanzig Jahre Essen“

Zu guter Letzt der Singeschrat Herbert Grönemeyer mit „Komm zur Ruhr“:

Kein Bock auf Stoffbuchsen

3. März 2010

www.2010lab.tvAlle schauen nach Berlin, München oder Köln. Dabei besteht seit Jahren eine lebendige Musikszene im Ruhrgebiet. Rock, Indie, Metal & Punk sind Themen, die von den Organisatoren der Kulturhauptstadt komplett außen vor gelassen werden. Abseits von Symphonieorchestern, millionenschweren Investitionen in Museen und Gourmetmeilen auf der A40, präsentiert sich das interessante Projekt 2010lab.tv. Täglich werden Podcasts und Artikel veröffentlicht, die sich mit der Kultur der „kleinen Leute“ beschäftigt, die im nicht für teures Geld ins Theater gehen, sondern selber mit wenig Mitteln kulturelle Projekte erschaffen.www.2010lab.tv

Wir Künstler im Ruhrgebiet sind nie arty geworden, weil wir kein‘ Bock auf Stoffbuchsen haben. Wat wir machen, muss schon irgendwie Eier haben. (Tom Liwa)

Die Reihe „Ruhrgebiet – Aufgenommen und abgemischt“ beschäftigt sich mit der vielfältigen Musikmetropole. In dem zweiten Teil kommen Vertreter der Indieszene (Kilians, Thees Uhlmann, Tom Liwa) zu Wort und sprechen über die besondere Verbundenheit mit der Heimat. Zudem wird unser einziges großes Rockfestival „Area4“ vorgestellt. Monatlich werden Beiträge veröffentlicht. Ein regelmäßiger Blick lohnt sich!

Davon können sich die Ruhr.2010-Marketingstrategen mal eine Scheibe abschneiden!www.2010lab.tv

Prolog / Episode 0: (Jan2010) „UNTERTAGE CHEFETAGE“
– Musik im Ruhrgebiet

Episode 1: (Feb2010) „rock.2010 – ROCK UND INDIE IM RUHRGEBIET“
– Kilians, Visions, Area4 und Tom Liwa

Episode 2: (Mär2010) „MÜLHEIMER MELANGE“
– Sturköppe zwischen den Stühlen? Helge Schneider vs. Bohren und der Club of Gore

Episode 3: (Apr2010) „SCHWERMETALL – GLOBALER EXPORT“
– Heavy Metal und Konsorten: Caliban, Kreator und die Japanischen Kampfhörspiele

Episode 4: (Mai2010) „HOCHKULTUR IM STAHLKORSETT“
– Theater und Musik: Ruhrtriennale, Hajo Sommers, Karsten Riedel und Helge Schneider

Episode 5: (Juni2010) „RAP IM RUHRGEBIET“
– Dick, blockig und voll erkennbar: Too Strong, Creuzfeld & Jakob und die Bandbreite

Episode 6: (Juli2010) „REVIERCLUB / TANZINDUSTRIE“
– Juicy Beats, Klaus Fiehe und Phil Fuldner

Episode 7: (Aug2010) „UNTERTAGE OHNE KOHLE“
– Subkulturen Punk und Ska: Die Kassierer, Pristine, Alpha Boy School u.a.

von Jörg Stiepermann, Peter Hesse und VISIONS-Autor Jens Mayer.

Borbeck wie es singt und lacht

4. September 2009

Wir schreiben das erste Wochenende im September und es geht schon wieder los.
Um Punkt 14 Uhr erinnerte ein Borbeck beschallendes Mickie-Krause-Hitmedley daran, daß unser berühmtes Borbecker Marktfest wieder losgeht.

Auch in diesem Jahr gibt es ab freitags wieder ein interessantes Showprogramm aufzwei großen Bühnen.

Interessanterweise wird hier, ähnlich wie beim Essen Original, am Bühnenangebot gespart. Der Unterscheid liegt aber wohl darin, daß sich hier kaum einer über das geschrumpfte Programm aufregen wird; vermutlich wird  das Aufregungspotential dadurch eher verringert.

Ich wäre gern noch etwas näher auf das diesjährige Programm eingegangen, aber leider gibt es diesmal keinen Veranstaltungsflyer als pdf bei der CeBo.

Ich weiß zwar nicht genau wann sie spielen, aber erfahrungsgemäß wissen die Coverbands flashback und Money For Nothing durchaus zu unterhalten.

Scheiß Wetter, komische Ramschstände, „interessantes“ Bühnenprogramm, zu hoher Asifaktor, […] – aber wat solls?! Man sieht sich bestimmt am Bierstand des Vertrauens!

Essen Original vs. Essen Originell

28. August 2009

Essen Originell 2009Es gab Zeiten, in denen man auf eine Koexistenz von „Hochkultur“  und Subkultur hoffen konnte.

Dies hat sich spätestens dieses Jahr erledigt, denn die Essener Marketing Gesellschaft hat sich im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres dazu entschlossen, ein familienfreundliches, anbiederndes und kulturell höchst anspruchsvolles Fest auf die Beine zu stellen (Headlinder am Freitag: Mark Medlock).

Präsentierte man sich vor drei Jahren noch als großzügig genug die Loveparade schnell und erstaunlich unbürokratisch auf die Beine zu stellen, passen heute die HipHop-Bühne, die Turock-Bühne und die Reflection Dark-Bühne nicht mehr ins Konzept dieses „Musikfests“.

Interessanterweise wollen das nicht alle so hinnehmen und so gibts ab heute die kleine aber unterstützenswerte Gegenveranstaltung Essen Originell.

Parallel zum musikalischen Programm soll es am Samstag auch eine Demo bzw. einen Blackmob geben, um friedlich auf diesen kulturellen Misstand hinzuweisen:

Essen Originell   Subkultur statt Mainstream

[…] Original Text EMG „Jugend und junge Erwachsene würden nicht in die Innenstadt passen, da Fehlverhalten und Ausschreitungen befürchtet werden“ Zitat Pressemitteilung AKJ vom 24.032009
Könnt und wollt ihr dies als „Schwarze Szene“ so hinnehmen? Möchtet ihr euch aus eurem eigenen Revier ausschließen lassen?
Gemeinsam mit zahlreichen Unterstützern mit wachsender Zahl aus der gesamten Szene möchten wir als das Protestbündnis Essen Originell,
ein Zeichen setzen und

NEIN sagen!
NEIN zur Ausgrenzung!
NEIN zur Diskriminierung
NEIN zur Ignoranz!

Wollt Ihr Euch vertreiben lassen?

NEIN

WIR halten zusammen!
Wir sind das Revier!!!

Deshalb planen wir im Zuge des Essen Originell 2009 den ersten großen schwarzen Flashmob im Ruhrgebiet!
In einer friedlichen Protestaktion wollen wir der EMG, der Stadt Essen und damit auch dem ganzen Ruhrgebiet zeigen, wie viele wir sind und dass wir dazu gehören!
Auch wir wollen als große Community feiern, Spaß haben und akzeptiert werden!
Wenn ihr das genau so seht, Teil von etwas Großem sein und etwas bewegen wollt, dann macht mit beim ersten BLACKMOB (http://www.black-mob.info) im Ruhrgebiet! […]



Hier das Line-Up, Leo Store Essen, Viehofer Straße 58, 45127 Essen:

Freitag:
16:00 – 16:30 Uhr: 30 Fact
16:30 – 16:45 Uhr: Stadtlichter
16:55 – 17:20 Uhr: Ro’Shan
17:20 – 17:45 Uhr: Christoph Görges
17:45 – 18:00 Uhr: Showact
18:00 – 18:45 Uhr: Empty Day
18:45 – 19:00 Uhr: Showact
19:00 – 19:45 Uhr: Blütenasche
19:45 – 20:00 Uhr: Showact
20:00 – 21:15 Uhr: Temple Of Twilight
21:15 – 21:30 Uhr: Showact Model Wizko
21:30 – 22:00 Uhr: Melanculia

Samstag:
16:00 – 16:45 Uhr: A Lucid Moment
16:45 – 17:00 Uhr: Showact
17:00 – 17:45 Uhr: Bool
17:45 – 18:00 Uhr: Showact
18:00 – 18:45 Uhr: Jaana
18:45 – 19:00 Uhr: Showact
19:00 – 19:45 Uhr: Dinner Ratz
19:45 – 20:00 Uhr: Showact Model Wizko
20:00 – 20:15 Uhr: Black-Mob
20:15 – 21:00 Uhr: TONK!
21:00 – 21:15 Uhr: Feuershow Ferox Ignis
21:15 – 22:00 Uhr: Atomic Neon

Zurechnungsfähige Kreiskandidaten ohne Partei gesucht!

20. August 2009

Kinotipp der Woche:



Liebe PARTEI-Freunde,



es ist eine spannende Zeit für Demokraten! Die OSZE kommt zwar nicht wegen der Nichtzulassung der PARTEI nach Deutschland, hat aber erklärt, sie werde den Umgang mit den kleinen Parteien jetzt besondern beobachten. Eine Ohrfeige für Bundeswahlleiter Roderich Egeler, „den Dieter Bohlen des deutschen Parteien-Castings“ (Kim-Oliver Tietze).


Unser Eilantrag auf Wahlzulassung liegt seit gestern dem Bundesverfassungsgericht vor. Führende Parteienrechtler und der ehemalige BVG-Richter Hans Hugo Klein signalisieren, daß wir im Recht sind, dies aber erst nach der Wahl durchsetzen können.


Ich danke allen, die uns unterstützt haben und weiter unterstützen. Denn: Der Kampf geht weiter! Wir werden den angekündigten schmutzigen Wahlkampf führen – ob wir auf den Wahlzetteln stehen oder nicht. Und wir sind dabei, einen Weg zu finden, doch noch offiziell an der Wahl teilzunehmen.

Deshalb meine Bitte um Unterstützung: Wir suchen deutschlandweit zurechnungsfähige Kreiskandidaten ohne Partei, die es auf die Wahlzettel geschafft haben. Wer einen solchen kennt: bitte über mail@die-partei.de melden!



Martin Sonneborn
Bundesvorsitzender Die PARTEI



PS: Wenn Ihr in den PARTEIFILM gehen wollt, tut das bitte am kommenden Wochenende – wir werden sonst von Horst Schlämmer aus den Programmkinos verdrängt! Kinos und Kritiken unter: http://www.parteifilm.de


Näheres zur Nichtzulassung gibts hier.

Endspurt in NRW

15. Juli 2009

Gerade erreicht uns folgende Mail des ehrenwerten Parteivorsitzenden Sonneborn:








Berlin, Mauerstraße, 15.7.2009


Lieber PARTEI-Freund,
Endspurt in NRW!
Sammele jetzt die fehlenden 500 Unterschriften!


Gehe nicht über Los, sondern nach Köln! Oder schicke die ausgefüllten Formulare an:  Die PARTEI NRW, c/o Claus-D. Preuß, Kneinstr. 58 b, 47807 Krefeld!
Jede Stimme zählt! Selbst Deine! Laß auch Freunde, Nachbarn, Angestellten und Mitinsassen unterschreiben – den drei Einsendern mit den meisten Unterstützer-Unterschriften winkt ein TITANIC-Abo.


Sonst wieder CDU, SPD und sowas.


Schöne Grüße,
Martin Sonneborn
Bundesvorsitzender Die PARTEI


Das Formblatt gibts übrigens HIER.


King of Pop

26. Juni 2009

Michael Jackson's Star On Hollywood

Michael Jackson's Star / Sërch @ Flickr.com

Michel from The Jackson Five –
Finished now is all his live.
Children so as Mom and Dad
Are about this „top“-news sad.
Why only said God now Stop
To the heart of King of Pop?!:-(
But anyway:
In Beverly Hills and in the Bronx
„Thrill“ and the other songs
Will stay!!!!!!!!

von Thomas Gsella, Titanic Magazin

Eine Zensur fand nicht statt

21. Juni 2009

Wir trauern um Artikel 5

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