Stadtgeflüster

Kein Bock auf Nazis: Borbeck stellt sich quer

9. November 2010

Der 9. November ist kein gewöhnlicher Novembertag.

In der Nacht vom 9. auf den 10.11.1938 zerstörten die Nationalsozialisten und deren Sympathisanten Einrichtungen jüdischer Bürger im gesamten damaligen deutschen Reich – auch in Borbeck!

[…] Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen nochmals Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust an den europäischen Juden im Machtbereich der Nationalsozialisten mündete […]“ Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspogromnacht

Jahrzehnte später fiel die Mauer – am 9 .November 1989. Seitdem hat dieses Datum eine weitere Bedeutung erlangt. Neben den Gräueltaten der Nationalsozialisten und ihrer nicht zu überbietenden Menschenverachtung hat man seit 1989 die Bilder der beginnenden Wiedervereinigung im Kopf.

Beide Ereignisse stehen in keinem inhaltlichen, poltischen, geschichtlichen oder sonstigen Zusammenhang.

Nun, 72 Jahre nach der Reichspogromnacht, marschiert die NPD am Germaniaplatz in Borbeck auf – in Gedenken an die Mauertoten. Das Auftreten der rechtsextremen NPD lässt nur den Schluß zu, daß es sich hier ausschließlich um eine antisemitische Provokation handelt. Daher ruft das Essener Bündnis Essen stellt sich quer zu einer Kundgebung gegen den unsäglichen und zynischen NPD-Aufmarsch auf. Die Borbecker Nachrichten merken dazu an, „Kalkulierte Provokation beleidigt Opfer der Kriege„.

„[…] Es sei ein Skandal, dass die NPD am Jahrestag der Novemberpo­grome der Nazis mit Fackeln an einem Kriegerdenkmal aufmarschieren dürfe, so Wolfgang Freye vom Runden Tisch. […]“ Vgl. http://www.derwesten.de/staedte/essen/In-Borbeck-droht-durch-NPD-Aufmarsch-Gedraenge-id3918735.html

Treffpunkt ist am 9.11.2010 um 18 Uhr auf dem Höltingplatz (vor Karstadt).

Loveparade: Der lange Weg zur Wahrheit

21. August 2010

Der Versuch der Stadt Duisburg, angeführt von ihrem unsäglichen OB, die Planungsdokumente der Loveparade unter Verschluss zu halten, ist gründlich gescheitert.

Nachdem dem lokalen Magazin xtranews.de per einstweiliger Verfügung untersagt wurde, die Dokumente weiter zu verbreiten, sind sie nun für jedermann bei Wikileaks einsehbar.

So kann sich nun jeder selbst eine Meinung zu den Ursachen der Tragödie bilden und ist nicht weiter auf Gutachten, die von einer stadtnahen Kanzlei angefertigt wurden, angewiesen.

WM 2010: Kein Rudelgucken auf dem Kennedyplatz / UPDATE

17. Juni 2010

Fotos: borbeckerhalblang.de / wm-arena-essen.de

Noch 100 wenige Tage bis zur WM!

Die WM läuft!

Doch auf dem Kennedyplatz in Essen der Kulturhauptstadt gibt es kein Public Viewing. Dies wurde vor Monaten von der Essen Marketing auf Nachfrage von Radio Essen bestätigt.

In Zeiten der Hochkultur findet sich in unserer Innenstadt Einkaufsstadt nun mal kein Platz für ein Randphänomen wie Fußball.

Die Macher der 11-Freunde-Bar konnten aber – „nach langem Ringen“ – die Messehalle 6 buchen. So gibts, ähnlich wie vor zwei Jahren, die „11 Freunde WM-Arena“ an der Gruga.

Die Tickets, deren Preise übrigens mit dem Besuch eines Heimspiels, bei einem lokal bekannten Fußballverein vergleichbar sind, können unter wm-arena-essen.de geordert werden.

Neben unzähligen Bars & Kneipen die zum gemeinsamen WM-Gucken einladen, gibt es im Ruhrgebiet noch weitere große Public Viewing Locations. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, sollte mal bei Prinz.de vorbeischauen!

WM Special:

Ob Ruhrgebiet, Rheinland oder Berlin, aufgrund der allseits beliebten Frage “Wo guckste?” und der vielen Suchanfragen zum Thema “Public Viewing”, gibts nun die Reihe:

Hackfleischgewordene Moderne

7. Juni 2010

Thomas Gsella (Tom Hintner; wikipedia)

Thomas Gsella, Satiriker und Mitglied der „Titanic Boy Group“ scheint keine schöne Kindheit gehabt zu haben. Welch grausame Erlebnisse müssen diesen mittlerweile greisen Schriftsteller in Essen widerfahren sein, dass er immer zu über seine Heimatstadt lästern muss.

In der taz wundert sich Gsella in einem herrlichen Artikel über das, was der interessierte Kultur-Tourist denkt: Wieso ist Essen eigentlich Kulturhauptstadt?

Die Menschen in Europa müssen sich nun nämlich täglich fragen, warum mit der vom Raubzug der Kohleindustrie misshandelten westdeutschen Großstadt Essen und deren gleichverwüsteten Nachbarn Duisburg, Bochum, Dortmund und so fort das gesamte Ruhrgebiet (werbedeutsch: Revier) zu ihrer aller Kulturhauptstadt befördert wurde. Ja, warum?

Zugegeben, es ist amüsant. Fast täglich lesen wir diese grässlich aus Reiseprospekten abgeschriebenen Artikel in den überregionalen Zeitungen über die „ruhr 2010“. Gsella legt den Finger in die Wunden des Ruhrmenschen, der grade erst seinen Stolz für die Region entdeckt hat. Sagt er das, was viele Besucher der Kulturhauptstadt denken? Oder treibt ihn ein unbändiger Hass gegenüber seiner eigentlichen Heimat? Er verleumdet seine wirkliche schäbige Malocher-Herkunft und treibt sich in der unterfränkischen Provinz um Aschaffenburg herum. Von diesem verschlafenen Nest aus, lässt es sich wunderbar auf die aufstrebende Region verbal einprügeln.

Und keine Stadt ist wohl in Europa, welche die Epochen kontinentaler Architektur gleichmutig ignoriert. Nicht Prunktürme je temporärer Gewinnler, sondern das betont grundehrliche Scheiß- als flächendeckendes Wohnhaus prägt das Stadtbild. Stolz schmiegt sich Brutalität der Frühindustrialisierung an Grausamkeit des Nachkriegs, Ekles der Betonjahre an die Beulen der Sanierungspest, Freches an Dummes, und wenn Moderne steht wie für den Verlust von Tünche, Tand und Schmuck, ist Essen in der Tat hackfleischgewordene Moderne.

Ganz schön gemein.

Aber anstatt beleidigt zu sein lassen wir noch ein lyrisches Meisterwerk über uns ergehen. Erschienen ist es Anfang des Jahres im Zuge seiner Kolumne auf der Homepage des „Satiremagazins Titanic“:

Gsella am Donnerstag

Kulturhauptstadt Ruhrgebiet (1)
ESSEN

Man zieht nicht hin. Man wird dorthin gebracht
Nach einem letzten Urteil ohne Milde.
Man bringt in diese höllischen Gefilde
Nur schlimmste Mörder in verfluchter Nacht.

Sie sind in Ketten, dutzendstark bewacht,
Und führen gleichwohl Schreckliches im Schilde.
Und Wachmannschaften wähnen sich im Bilde
Und werden mannschaftsweise umgebracht.

Denn alles Menschsein hat sich längst vergessen
An diesem Ort, den jeder Mörder kennt.
„Die Sträflingsstadt“. Wer will das Leid ermessen.

Hautkranke Ratten werden roh gegessen.
So jubelt grad der schlimmste Delinquent
Bei diesem Urteil: „Zwanzig Jahre Essen“

Zu guter Letzt der Singeschrat Herbert Grönemeyer mit „Komm zur Ruhr“:

Jawattdenn.de fragt, Hülsmann antwortet!

26. Februar 2010

Was WAZ, NRZ, Reviersport & Co anscheinend nicht zu fragen wagen, erledigen nun die Jungs von Jawattdenn.de.

Christian Hülsmann stellt sich im großen Interview den Fragen der leidgeprüften rot-weissen Seele. Neben vielen Erklärungen, die die eigentlich unverständlichen Zusammenhänge ein wenig verständlicher werden lassen, macht ein Satz mal wieder Hoffnung:

[…] Es ist momentan nichts gestoppt und wir liegen noch voll im Zeitplan. […]

Spätestens ab dem Frühjahr könnte sich der morgendliche Blick in die Baustellen-Webcam wieder lohnen (oder halt eben auch nicht).

Das ganze Interview gibts bei Jawattdenn.de!

Borbeck wie es singt und lacht

4. September 2009

Wir schreiben das erste Wochenende im September und es geht schon wieder los.
Um Punkt 14 Uhr erinnerte ein Borbeck beschallendes Mickie-Krause-Hitmedley daran, daß unser berühmtes Borbecker Marktfest wieder losgeht.

Auch in diesem Jahr gibt es ab freitags wieder ein interessantes Showprogramm aufzwei großen Bühnen.

Interessanterweise wird hier, ähnlich wie beim Essen Original, am Bühnenangebot gespart. Der Unterscheid liegt aber wohl darin, daß sich hier kaum einer über das geschrumpfte Programm aufregen wird; vermutlich wird  das Aufregungspotential dadurch eher verringert.

Ich wäre gern noch etwas näher auf das diesjährige Programm eingegangen, aber leider gibt es diesmal keinen Veranstaltungsflyer als pdf bei der CeBo.

Ich weiß zwar nicht genau wann sie spielen, aber erfahrungsgemäß wissen die Coverbands flashback und Money For Nothing durchaus zu unterhalten.

Scheiß Wetter, komische Ramschstände, „interessantes“ Bühnenprogramm, zu hoher Asifaktor, […] – aber wat solls?! Man sieht sich bestimmt am Bierstand des Vertrauens!

Essen Original vs. Essen Originell

28. August 2009

Essen Originell 2009Es gab Zeiten, in denen man auf eine Koexistenz von „Hochkultur“  und Subkultur hoffen konnte.

Dies hat sich spätestens dieses Jahr erledigt, denn die Essener Marketing Gesellschaft hat sich im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres dazu entschlossen, ein familienfreundliches, anbiederndes und kulturell höchst anspruchsvolles Fest auf die Beine zu stellen (Headlinder am Freitag: Mark Medlock).

Präsentierte man sich vor drei Jahren noch als großzügig genug die Loveparade schnell und erstaunlich unbürokratisch auf die Beine zu stellen, passen heute die HipHop-Bühne, die Turock-Bühne und die Reflection Dark-Bühne nicht mehr ins Konzept dieses „Musikfests“.

Interessanterweise wollen das nicht alle so hinnehmen und so gibts ab heute die kleine aber unterstützenswerte Gegenveranstaltung Essen Originell.

Parallel zum musikalischen Programm soll es am Samstag auch eine Demo bzw. einen Blackmob geben, um friedlich auf diesen kulturellen Misstand hinzuweisen:

Essen Originell   Subkultur statt Mainstream

[…] Original Text EMG „Jugend und junge Erwachsene würden nicht in die Innenstadt passen, da Fehlverhalten und Ausschreitungen befürchtet werden“ Zitat Pressemitteilung AKJ vom 24.032009
Könnt und wollt ihr dies als „Schwarze Szene“ so hinnehmen? Möchtet ihr euch aus eurem eigenen Revier ausschließen lassen?
Gemeinsam mit zahlreichen Unterstützern mit wachsender Zahl aus der gesamten Szene möchten wir als das Protestbündnis Essen Originell,
ein Zeichen setzen und

NEIN sagen!
NEIN zur Ausgrenzung!
NEIN zur Diskriminierung
NEIN zur Ignoranz!

Wollt Ihr Euch vertreiben lassen?

NEIN

WIR halten zusammen!
Wir sind das Revier!!!

Deshalb planen wir im Zuge des Essen Originell 2009 den ersten großen schwarzen Flashmob im Ruhrgebiet!
In einer friedlichen Protestaktion wollen wir der EMG, der Stadt Essen und damit auch dem ganzen Ruhrgebiet zeigen, wie viele wir sind und dass wir dazu gehören!
Auch wir wollen als große Community feiern, Spaß haben und akzeptiert werden!
Wenn ihr das genau so seht, Teil von etwas Großem sein und etwas bewegen wollt, dann macht mit beim ersten BLACKMOB (http://www.black-mob.info) im Ruhrgebiet! […]



Hier das Line-Up, Leo Store Essen, Viehofer Straße 58, 45127 Essen:

Freitag:
16:00 – 16:30 Uhr: 30 Fact
16:30 – 16:45 Uhr: Stadtlichter
16:55 – 17:20 Uhr: Ro’Shan
17:20 – 17:45 Uhr: Christoph Görges
17:45 – 18:00 Uhr: Showact
18:00 – 18:45 Uhr: Empty Day
18:45 – 19:00 Uhr: Showact
19:00 – 19:45 Uhr: Blütenasche
19:45 – 20:00 Uhr: Showact
20:00 – 21:15 Uhr: Temple Of Twilight
21:15 – 21:30 Uhr: Showact Model Wizko
21:30 – 22:00 Uhr: Melanculia

Samstag:
16:00 – 16:45 Uhr: A Lucid Moment
16:45 – 17:00 Uhr: Showact
17:00 – 17:45 Uhr: Bool
17:45 – 18:00 Uhr: Showact
18:00 – 18:45 Uhr: Jaana
18:45 – 19:00 Uhr: Showact
19:00 – 19:45 Uhr: Dinner Ratz
19:45 – 20:00 Uhr: Showact Model Wizko
20:00 – 20:15 Uhr: Black-Mob
20:15 – 21:00 Uhr: TONK!
21:00 – 21:15 Uhr: Feuershow Ferox Ignis
21:15 – 22:00 Uhr: Atomic Neon

Essen.Unoriginell 2009

10. Juli 2009

Kreiiiiiisch! Mark Medlock kommt zum Essen Original 2009, wie unoriginell!

Aber den Viehofer Platz kann man Samstag (Snaga&Pillath) und Sonntag (Pretrash, Freakatronic, Arme Ritter) gut besuchen.

Essen Original Musikschrott Programm 2009

Nächste Einträge »